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IM DIALOG MIT MIR UND DER KAMERA: WIE SELBSTPORTRAITS MEINE ARBEIT ALS FOTOGRAFIN PRÄGEN

  • 31. März
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 10. Apr.


Selbstportrait mit Wolpertinger

Ein stiller Moment. Sonnenlicht, das durch das Fenster aufs Bett scheint. Dort sitze ich, vor mir die Kamera. Den Auslöser in der Hand, suche ich die richtige Haltung, den richtigen Blick. Einen Augenblick von Ehrlichkeit, vor allem zu mir selbst. 


EIN SELBSTPORTRAIT BEDEUTET NICHT EINFACH, SICH SELBST ZU FOTOGRAFIEREN. 


Für mich bedeutet es, allein mit sich zu sein, sich mit seinem Körper und seiner Identität auseinanderzusetzen. Ein Dialog mit sich selbst, der am Ende über ein bloßes Abbild hinausgeht. Eine Blick in die Psyche dahinter. Ohne Einwirkung von außen, ohne Anleitung, ohne Ablenkung. Frei, sich Zeit zu nehmen, zu experimentieren, zu warten, bis sich etwas richtig anfühlt. Es ermöglicht die eigene Suche nach Fragen, Positionen, Zielen, Unsicherheiten. Nach der Beziehung zu uns selbst, zu Partnern, Kindern. Es kann eine visuelle Aufzeichnung unseres Lebens sein, ein Festhalten von der Person, die man gerade ist. Die Fotografie widersetzt sich dem Vergessen, der Vergänglichkeit. Sie kann Erhalten, den flüchtigen Augenblick aufbewahren. Das hat mich schon immer fasziniert: Diese Möglichkeit, selbst und seine Erinnerungen ein Stück zu konservieren. Schon als Kind war es für mich etwas Besonderes, die analogen Abzüge vom letzten Urlaub (oder meinem Kater) aus dem Drogeriemarkt abzuholen, sie endlich in den Händen zu halten, diese Zeit, in die man nun jederzeit eintauchen kann.


ICH FING EHER AUS DER NOT HERAUS AN, MICH SELBST VOR DIE KAMERA ZU SETZEN.


Während meines Fotografie-Studiums in Hamburg wollte ich für ein Projekt den menschlichen Körper in der Natur fotografieren. Dabei ging es nicht um die Darstellung einer Person, eines Charakters und seiner Gefühle. Es ging eher um die Beschaffenheit des Körpers und den Versuch, ihn in die Natur einzubetten, ihn schutzlos zu zeigen. Ich brauchte also jemanden, der kein Problem damit hatte, sich halb nackt in Gras voller Krabbeltiere oder zwischen pieksende Büsche zu legen. Da ich spontan keine Person finden konnte, begann ich kurzerhand, mich selbst zu fotografieren. Dabei war ich aber noch oft auf Hilfe angewiesen, nutzte meinen Mann als lebendiges Stativ, rannte zwischen ihm und meiner Position hin und her. Die fertige Serie Physis wurde mit dem NewTalent Award ausgezeichnet und findet ihr in Gänze hier.





DIESE ERSTE ARBEIT SETZTE ETWAS IN GANG. ICH BEGANN, MICH INTENSIVER MIT MEINEM EIGENEN KÖRPER AUSEINANDERZUSETZEN – MIT MEINER PRÄSENZ IM BILD, MIT VERLETZLICHKEIT, MIT DER FRAGE, WIE WIR UNS SELBST SEHEN UND WIE WIR GESEHEN WERDEN.


In den folgenden Projekten griff ich immer wieder auf das Selbstportrait zurück. Die anfänglichen Hemmungen, die ich hatte, fielen Stück für Stück ab. Ich perfektionierte meine Technik, wurde mutiger, unabhängiger. Zeigte mein Gesicht. Bald ging es nicht nur um meinen Körper, austauschbar in seiner Rolle. Ich beschäftigte mich mit meiner persönlichen Gedankenwelt und dem Bedürfnis, auf poetisch-künstlerische Art einen Mehrwert für die Gesellschaft zu finden.


Als mein Großvater starb und das Haus, das mein Leben lang ein Stück Zuhause für mich war, verkauft wurde, verarbeitete ich diesen Verlust fotografisch. Wieder war es das Selbstportrait, das mir erlaubte, mich mit Erinnerungen, Abschied und Veränderungen auseinanderzusetzen. Die entstandene Serie Billerberg stand auf der Shortlist des Vonovia Award.





Meine Masterarbeit Like the Waves Appear and Disappear and Appear Again war schließlich die intensivste Phase vor und mit der Kamera.


DREI JAHRE LANG BEGLEITETE ICH MEINEN WANDEL ZUR MUTTER. ZWEI SCHWANGERSCHAFTEN, ZWEI GEBURTEN. 


Alltägliche Momente, Intimität, Körperlichkeit. Eine Selbstbetrachtung, ein Blick ins Private. Ein Versuch, die visuelle Sprache für das persönliche Erleben von Mutterschaft zu finden und dem traditionellen Idealbild neue, echte Facetten hinzuzufügen. Etwas, was man sogar sich selbst schwer erklären kann, für die Gesellschaft sichtbarer zu machen. Mit den Fotografien entstand mein erstes Buch, das mit der Shortlist des Dummy Award 2024 ausgezeichnet wurde und ein Jahr lang auf verschiedenen Festivals um die Welt reiste.





WAS MEINE ERFAHRUNG FÜR DICH BEDEUTET


Die Jahre, in denen ich mich selbst fotografiert habe, prägen heute stark meine Arbeit mit anderen Menschen.

Ich weiß, wie verletzlich es sich anfühlen kann, vor der Kamera zu stehen. Wie unsicher man sich fühlen kann. Ich kenne die Gedanken, die viele haben: Bin ich fotogen? Was mache ich mit meinem Körper? Wohin mit meinen Händen? Wirke ich so, wie ich mich fühle?


Diese Fragen sind vollkommen normal. Durch meine eigene Erfahrung kann ich Menschen sehr behutsam begleiten – besonders diejenigen, die sich vor der Kamera unsicher und unbehaglich fühlen oder ein schwieriges Verhältnis zu ihrem Körper haben.

In meinen Portrait Sessions, die ich euch rund um Lüneburg oder wo immer ihr seid anbieten kann, geht es nicht darum, perfekte Bilder zu machen. Viel wichtiger ist es, eine Atmosphäre zu schaffen, in der Menschen ankommen können. In der sie sich gesehen fühlen und nicht bewertet.


DAMIT ENTSPANNTE, TIEFE MOMENTE ENTSTEHEN KÖNNEN.

UND AUCH DIE ERFAHRUNG, FOTOGRAFIERT ZU WERDEN, IN GUTER ERINNERUNG BLEIBT.


Falls du dich auch für Selbstportraits interessierst oder mehr Sicherheit vor der Kamera lernen möchtest, habe ich was für dich:


PRAKTISCHE TIPPS FÜR SELBSTPORTRAITS


STEP 01: DIE AUSRÜSTUNG

Eine teure Kamera kann natürlich helfen, ist aber gerade für den Einstieg nicht notwendig. Für den Anfang reicht dein Smartphone völlig aus! Das kannst du an einem sicheren Platz aufstellen: auf einem Bücherstapel, ins Regal. Hilfreich ist aber ein Stativ, damit du ganz frei entscheiden kannst, wo du das Bild aufnehmen möchtest.


Hast du eine professionelle Kamera, dann prüfe nach, ob der Hersteller eine App anbietet, mit der du auf die Kamera zugreifen kannst. Das war bei mir der Gamechanger: Kamera aufstellen, mit dem Handy verbinden, in Position gehen und dann über den Bildschirm des Smartphones Einstellungen anpassen und das Bild auslösen. Du siehst dich auf dem Bildschirm, kannst Anpassungen in deiner Pose ausprobieren und kannst dir die Bilder ansehen, ohne zur Kamera gehen zu müssen. Dieses Tool hat das sehr viel Ruhe und Unabhängigkeit ermöglicht.


STEP 02: DIE EINSTELLUNGEN

Ob es der Portraitmodus im Smartphone ist, kleine oder große Blende mit der Spiegelreflexkamera, verschwommene Langzeitbelichtungen oder scharfe Gesichter - tob dich aus, experimentiere.

Bei allem sind aber Timer und Intervallaufnahmen deine allerbesten Freunde. Die meisten Kameras und Smartphones haben eine integrierte Timerfunktion. Stelle einen Timer auf mindestens 3, besser 10 Sekunden und drücke den Auslöser. Nun hast du genug Zeit, um den Fernauslöser bei Bedarf zu verstecken und in deiner Position anzukommen.


Ein super Trick, um noch mehr Ruhe in den Vorgang zu bringen, sind Intervallaufnahmen. Mit dieser Funktion musst du nicht ständig zwischen Kamera und Position hin- und herflitzen. Prüfe, ob deine Kamera diese Möglichkeit besitzt. Wenn ja, dann richte dir zusätzlich zum Timer das Intervall so ein, das z.B. 25 Mal alle 3 Sekunden ein Bild aufgenommen wird. Das hilft vor allem bei aufwendigeren Inszenierungen oder um in Ruhe den richtigen Ausdruck zu finden.


STEP 03: LICHT

Arbeite zunächst mit einfachem Licht. Fensterlicht ist oft völlig ausreichend und wirkt sehr natürlich.


STEP 04: ZEIT

Selbstportraits entstehen selten schnell zwischendurch. Nimm dir Zeit, und sorge für ein ruhiges, sicheres Umfeld.


STEP 05: GEDULD

Blickwinkel, Lichtverhältnisse, Menschen im Umfeld. Bleib offen, experimentiere. Bei Selbstportraits bewegt man sich zwischen Planung, Inszenierung und Spontanität. Vor allem am Anfang kann der Fokus noch sehr auf der technischen Herausforderung und weniger auf Ausdruck und Komposition liegen. Wenn du gerne Selbstportraits in deinem Familienalltag machen möchtest, musst du nicht nur dich selbst, sondern auch deine Lieben an die Kamera gewöhnen. Vielleicht sind die ersten Aufnahmen nicht schnell genug, weil der Moment zu flüchtig war. Vielleicht ist das Licht schon weitergewandert, bis du die richtige Präsenz im Bild gefunden hattest. Beobachte weiter dich und dein Umfeld. Oft entstehen in den ungeplanten Momenten die besten Aufnahmen - wenn der Körper sich anders dreht, du abgelenkt bist, die Sonne kurz verschwindet.


FALLS DU TIEFER IN DAS THEMA SELBSTPORTRAIT EINTAUCHEN MÖCHTEST:

ICH PLANE GERADE EINEN UMFANGREICHEN FOTOKURS, BEI DEM ICH GENAUER AUF TECHNIK & GESTALTUNGSMÖGLICHKEITEN, INSPIRIERENDE FOTOGRAFINNEN UND DEN WERT DIESER FOTOGRAFIE EINGEHEN WERDE.


INTERESSE? SAY HEj!






 
 
 

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