UND WO WARST DU, MAMA? – HINTER DER KAMERA, SCHATZ.
- 10. Mai
- 3 Min. Lesezeit

Zu Beginn vom Muttersein werden noch viele Bilder gemacht: Vom Babybauch, jeden Monat eines, damit man man das Wachsen sieht. Man bucht vielleicht sogar ein Schwangerschaftsshooting, um diese besondere Zeit festzuhalten. Dann kommt die Geburt, das Wochenbett. Auch da wird in den meisten Familien viel fotografiert: Die ersten Bilder von eurem Kind. Beim Schlafen, beim Gähnen, beim Stillen, die Füße mit den knubbeligen Zehen, kleine Hände, die nach euren Fingern greifen. Dann kommt der Besuch, vielleicht dürfen alle mal das kleine Bündel halten, wieder werden viele Fotos gemacht. Und dann beginnt der Alltag. Die Care-Arbeit. Und vor allem die Mutter verschwindet aus den Fotografien ihres Familienlebens.
FOTOS VON DEINEN KIDNER SIND SCHÖN. ABER FOTOS MIT IHREN TRAGEN DIE ERINNERUNGEN AN DAS, WAS DU GERADE FÜR SIE BIST.
Mütter sind auf den Bildern ihrer Familie oft nicht zu sehen. Nicht, weil sie nicht da sind - sondern weil sie es sind, die dokumentieren. Sie halten die Momente im Familienleben fest, die großen und die kleinen. Denken daran, dass sie als Erinnerungen bewahrt und gehütet werden sollten: für die Eltern, vor allem aber für die Kinder selbst. Wie war das nochmal, an unserem Lieblingsplatz beim Bach? Wie sah ich aus, als ich das erste Mal allein auf dem Fahrrad saß? Wir war unser Alltag als Familie?
Ich sehe bei Familien häufig, dass die Person fotografiert, die den überwiegenden Teil der Care-Arbeit übernommen hat. Irgendwie gehört das zu dieser Verantwortung dazu: Zu dokumentieren, damit nichts in Vergessenheit geraten kann. Und das übernimmt immer noch meistens die Mutter. Eine Mutter, die auf den Bildern ihrer eigenen Familiengeschichte kaum vorkommt. Sie wird zu der Person hinter dem Bild.
KANNST DU BITTE KURZ EIN FOTO VON UNS MACHEN?
Mein Mann greift selten von sich aus zur Kamera. Dann entstehen Schnappschüsse, die nicht immer die echten Gefühle transportieren können. Ich muss ihn bitten, ein Bild von mir und unseren Kindern zu machen. Und dann ist der Moment, den ich festhalten wollte, eigentlich schon vorbei. Er bekommt einen Knacks, wurde unterbrochen. Die Kinder werden sich der Kamera bewusst, die Situation wirkt plötzlich gestellt oder sogar erzwungen. Vielleicht sind die Fotografien am Ende sogar schön anzusehen – aber ich merke mir diesen Beigeschmack. Und die Kinder vielleicht auch.
VIELE ERINNERUNGEN AUS UNSERER EIGENEN KINDHEIT SIND VERKNÜPFT AN ERZÄHLUNGEN VOM ERLEBTEN, ABER AUCH AN DIE FOTOGRAFIEN AUS DIESER ZEIT.
Wir vergessen. Eltern hüten. Wir bewahren eine Kindheit, an die sie sich später nur zum Teil erinnern können; auch das ist in meinen Augen ein Teil unserer Verantwortung. Damit unsere Kinder später sehen, woher sie kommen, wer da war. Wer sie gehalten, geliebt, umsorgt hat. Wer ihre Kindheit von innen gekannt hat. Damit sie sehen, wie das so war, ihr Leben, ihr Aufwachsen in einer Familie, in jedem Alter. Damit sie später vielleicht auch verstehen, warum sie sind, wer sie sind. Damit sie sehen, mit wem sie groß geworden sind. Wenn die Mutter in diesen Fotografien fehlt, entsteht eine seltsame Lücke in dieser Herkunft.
WIE WIRD MAN ERINNERT? WAS BRAUCHEN WIR, UM ZU ERINNERN?
Ich möchte Mütter sichtbar machen. Möchte sie als Frauen beim Muttersein begleiten, zwischen all der Fürsorge und der Liebe, dem Chaos, der Erschöpfung, dem Wachsen. Für Erinnerungen, die echt und ehrlich sind.
Für Mutterschaftsfotografien braucht ihr keinen Anlass. Unser Alltag ist ihre Kindheit, das ist das was sie prägt und woran man sich später so schwer erinnern kann. Also wartet nicht auf den perfekten Zeitpunkt, die richtige Jahreszeit, das richtige Aussehen. Diese Zeit mit unseren Kindern vergeht so unglaublich schnell. Sie werden größer – und die Bilder fehlen.
Es sind die kleinen Gesten und Augenblicke, die eure Verbundenheit zeigen. Ich begleite euch, beobachte mit wachem Blick und Feingefühl. Du musst nicht die selbstlose Mutter sein, die hinter der Kamera bleibt und sich über ein paar Aufnahmen freut, auf denen sie im Hintergrund zu sehen ist.
WIE SICH EINE MUTTER FÜHLT UND WAS SIE FÜR IHRE KINDER BEDEUTET, MUSS SICHTBAR GEMACHT WERDEN.
Und vermittelt werden. An unsere Kinder, aber auch an die Gesellschaft. Damit unsere Kinder später nicht fragen: Wo warst du denn da gerade, Mama? Sondern dich sehen. Und vielleicht stattdessen fragen: Wie war das für dich, Mama?
















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